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13. Oktober 2017

Schule 4.0 – digitale Revolution im Klassenzimmer

„Das deutsche Bildungssystem ist nicht vorbereitet auf die digitale Welt: die technische Ausstattung an Schulen ist mangelhaft, es fehlen didaktische Konzepte und entsprechend ausgebildete Lehrer“ titelt die Süddeutsche Zeitung im Juli 2017. Wir haben diese Aussage in einem Dialogforum mit Lehrern, Schülern, Kultusministerium und Unternehmen auf den Prüfstand gestellt.


Dialogforum Digitalisierung – wir geben Schulen eine Stimme

Seit mehr als fünf Jahren betreue ich Schulkooperationen und bin außerdem in regem Austausch mit unseren Kooperationspartnern ALWIS und SchuleWirtschaft. Und es ist klar, was in Unternehmen Einzug erhält, macht auch vor der Institution Schule nicht halt – die Digitalisierung. Für uns eine Steilvorlage, dieses Thema auch bei unserem 5-jährigen School One Jubiläum aufzugreifen. Wir sind neugierig „Wo besteht Nachholbedarf?“, „Werden Schüler ausreichend auf den Berufsalltag vorbereitet?“ und „Welche (digitalen) Kompetenzen erwarten Unternehmen heute?“

5 Schulen, 12 Lehrer, 20 Schülerinnen und Schüler, 3 Unternehmensvertreter sowie 1 Vertreter des saarländischen Kultusministeriums sind unserer Einladung gefolgt, um mit uns rund um das Thema Digitalisierung zu diskutieren. Nach zwei Impulsvorträgen standen drei verschiedene Workshops zur Auswahl, in denen uns die Meinung der Schüler genauso wichtig war wie die der Lehrer.

  • Nutzung von Medien im Unterricht – Potenziale und Risiken des Lernens mit digitalen Medien
  • Das virtuelle Klassenzimmer – arbeiten und lernen in einer modernen Schule
  • Von der Schule hin zum digital Workspace – arbeiten in einer modernen Arbeitswelt

Lautes Geplapper und rege Diskussionen ließen drauf schließen, dass wir mit unseren Themen ins Schwarze getroffen haben. Im Anschluss wurden die Resultate gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft und Ministerium innerhalb einer Podiumsdiskussion diskutiert. Dabei lassen sich die Ergebnisse wie folgt zusammenfassen:

  • In saarländischen Schulen wurde eine große Heterogenität festgestellt. Während manche Schulen bereits mit modernen Tools, Werkzeugen und Hardware ausgestattet sind, freuen sich andere bereits über funktionierende Beamer und/oder eine moderne Computerausstattung.
  • Um Cloud-Technologien für alle verfügbar zu machen, bedarf es einer stabilen Infrastruktur. Hier hängt es in einem ersten Schritt oft an funktionierendem und stabilen W-Lan.
  • Datenschutz ist ein Thema, das für viele nicht greifbar oder transparent ist.
  • Schüler wünschen sich Lehrpersonal auf Augenhöhe. Lehrer fordern im gleichen Zug entsprechende Coachings und Weiterbildungen – ganz im Sinne eines lebenslangen Lernens.
  • Schulen wünschen sich insbesondere Tools, die die Zusammenarbeit und Kommunikation verbessern. Ein papierloses Büro wurde an dieser Stelle auch mehrfach genannt.
  • Praxisnaher Unterricht wurde mehrfach von Schülern gefordert. Ebenso wurde der Wunsch geäußert, unter Einsatz von digitalen Medien zu lernen.
  • Mehrfach wurde auch seitens der Schüler betont, dass sie neue Formate auch als motivierend bezeichnen. U.a. wurde ein digitales Betriebspraktikum als Beispiel genannt.
  • Unternehmensvertreter appellierten an die Teilnehmer, keine Angst vor digitalen Veränderungsprozessen zu haben.
  • Wichtig sei v.a. auch, neue Fächer wie „Kreativität“ mit auf den Stundenplan zu setzen. Hier sollten u.a. Fähigkeiten zur Problemlösung antrainiert werden.
  • Gleichermaßen forderten Unternehmen, die Stärken eines jeden Schülern zu fördern. Auch Lehrer betonen, dass individuelle Lernwege zukünftig im Stundenplan berücksichtigt werden müssen.
  • Seitens des Kultusministeriums waren alle angesprochenen Punkte bekannt. Leider konnte noch keine konkrete Aussage getroffen werden hinsichtlich der Umsetzung einer Digitalisierungsroadmap. Jedoch sind sich alle Beteiligten ihrer Verantwortung bewusst und arbeiten an einer „zeitnahen“ Realisierung.

Was bleibt und was kommt – (m)ein Blick in die Zukunft

Mir ist bewusst, dass Stichprobe und Ergebnisse nicht repräsentativ für die gesamte saarländische Schullandschaft sind. Dennoch bin ich überzeugt, dass sie einen guten Indikator darstellen.

Ich glaube, dass die Schule als Institution auf jeden Fall bestehen bleibt, sich aber individuelle Wege und ortsungebundenes Lernen durchsetzen werden. Manche Dinge mögen sicherlich noch eine Science-Fiction-Vision sein. Prozesse innerhalb der Kommunikation und der Zusammenarbeit, egal ob Schule, Schüler oder Unternehmen, können allerdings schon heute sehr gut mit Hilfe der Digitalisierung umgesetzt werden. Wo möglich, wird es durchaus auch schon genutzt. Hier gilt es, die Barrieren (W-LAN, Basisinfrastruktur) und die bürokratischen Hürden zu vereinfachen, um allen Schulen gleiche Chancen einzuräumen.

Ich werde an dieser Stelle allerdings auch nicht müde zu betonen (und das tue ich bei all meinen Vorträgen), dass die Digitalisierung nicht nur um der Digitalisierung Willen umgesetzt werden soll. Wichtig ist, die Wertschöpfung in den Fokus zu setzen. Hier bedarf es einer individuellen Analyse, welche Prozesse und Tätigkeiten mit Hilfe der Digitalisierung innerhalb der Schulen verbessert werden können – mit dem Ziel schneller, besser und effizienter arbeiten und lernen zu können.

Was mich im Zuge der Diskussion wirklich beeindruckt hat, waren Schüler und ich betone auch Lehrer, die sich nicht verschließen, sondern mit unglaublichem Engagement, Wissensdurst und Freude etwas bewegen und dazulernen möchten. An dieser Stelle kann ich das Kultusministerium erst mal nur beglückwünschen.

Gleichzeitig kann ich an Bund und Länder nur appellieren, den Digitalisierungszug nicht zu verpassen. Natürlich hängt es von monetären Mitteln ab und natürlich müssen Konzepte (pädagogisch) geprüft werden – ich bin jedoch davon überzeugt, dass jeder Euro und jede Minute hier gut und richtig investiert sind. Ich kann mir an dieser Stelle nur wünschen, dass seitens Ministerium bald ein konkreter Fahrplan vorgelegt wird mit Meilensteinen, die nicht erst im Jahre 2020 umgesetzt werden.

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen:  Wir haben in Deutschland alle die Chance und auch das Privileg, Veränderungen mitzugestalten – also packen wir es an. Ich für meinen Teil bin motiviert, Schulen auf ihrem Weg durch die digitale Transformation zu begleiten.

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Wir sagen Danke!

Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Teilnehmer unseres Dialogforums für ihre offene und konstruktive Mitarbeit. Dazu zählen unsere Patenschulen Gymnasium am Rotenbühl, Albert-Schweitzer-Gymnasium, Leibnitz-Gymnasium, Theodor-Heuss-Gymnasium und Wirtschaftswissenschaftliches Gymnasium sowie auch Herrn Oliver Scherf, Landesfachberater für Informatik und Informatiklehrer am BBZ Sulzbach. Ebenso danken wir Andreas Noss, Geschäftsführer des ZeMA und Thomas Hoffmann, Personalleiter bei Michelin. Auch danken wir Herrn Rüdiger Fries, Vertreter des Ministeriums für Bildung und Kultur für das Interesse, die Ideen und Wünsche aus dem Dialogforum ins Ministerium hineinzutragen. Auch Sabine Lauer, Geschäftsführerin bei ALWIS sowie Stephanie Vogel, Referentin für Bildung, SchuleWirtschaft Saarland, danken wir herzlich für die Unterstützung bei der Durchführung der Workshops.

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