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Deep Dive – Digitalisierung, Transformation und Disruption: Ein Wegweiser in die Zukunft

Deep Dive – Digitalisierung, Transformation und Disruption: Ein Wegweiser in die Zukunft

Worin unterscheiden sich Digitalisierung und digitale Transformation? Warum haben Konzerne Angst vor einer digitalen Disruption? Eine Antwort darauf gibt der folgende Beitrag.

Deep Dive für Berater, IT Verantwortliche und Manager

Blogs und Beiträge zur Digitalisierung geben häufig nur einen allgemeinen Überblick. In diesem Beitrag, der den Anfang einer Reihe von fünf weiteren Artikeln bildet, stehen die technologischen und kommunikativ sozialen Aspekte im Vordergrund. Es geht um Abgrenzung wichtiger Begriffe, aber auch um die treibenden Technologien. Wie müssen Begriffe wie Agilität und Disruption eingeordnet werden? Jeder kennt den Bitcoin als Synonym für Digitale Währung. Wer weiß aber, dass dahinter eine Technologie steckt, die Blockchain, welche dramatische Auswirkungen auf die Welt der Transaktionen haben wird, und zwar in allen Branchen, sei es Banking, Logistik, Versicherungen,  Industrie oder Verwaltung. Viele Manager, ob Konzern oder KMU, stellen sich die Frage, ob ihr Geschäftsmodell auch noch morgen erfolgreich sein wird. Habe ich noch zu viele analoge Komponenten in meinen Geschäftsprozessen? Diese und weitere Fragen sollen im Rahmen dieser Reihe angesprochen werden.

Neben technologischen und ökonomischen Überlegungen müssen aber auch soziale Aspekte berücksichtigt werden. Was ist mit der Angst vor Veränderungen durch Digitalisierung? Was  bedeutet Agilität, wird alles immer schneller und unvorhersehbarer? Frisst der Schnelle den Großen? Inhaltlich wendet sich diese Beitragsreihe an alle, die von der Digitalisierung betroffen sind, sei es als Entscheider, Manager  oder Berater. Die im Rahmen dieser Beiträge aufgestellten durchaus provokant gemeinten Thesen sollen dem Leser helfen, seine eigene Wahrnehmung zu reflektieren.

Folgende Beiträge werden in naher Zukunft veröffentlicht werden und die Themen dieses Blogs vertiefen.

  • Disruptive Technologien – Blockchain und 3 D-Druck
  • Herausforderungen der Digitalisierung für KMUs und große Unternehmen
  • Neue Geschäftsmodelle durch Digitale Transformation
  • Agilität und Kommunikation in einer digitalen Welt
  • Der Schnelle frisst den Großen – stimmt das?

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz von Digitalisierung, Digitaler Transformation und Disruption

Die Digitalisierung ist ein Prozess von dem heute nahezu jeder betroffen ist, sei es als Privatperson oder als wirtschaftlich Handelnder. Welchen Stellenwert der Begriff der Digitalisierung mittlerweile erreicht hat, lässt sich auch daran erkennen, dass er in den Wahlprogrammen von CDU, SPD und FDP im Jahr 2017 nach einer Analyse der FAZ um die 100 Mal auftaucht. Dadurch entsteht meiner Meinung nach die Gefahr, dass der Begriff verwässert wird und für alles und jedes steht, was nicht mehr analog ist. Unstrittig ist, dass die Digitalisierung heute alle Aspekte der Gesellschaft beeinflusst und zu einer radikalen Veränderung des gesellschaftlichen Lebens geführt hat.

Digitalisierung

Leider wird häufig nicht zwischen Digitalisierung und Digitaler Transformation unterschieden. Das Ziel dieses Beitrags ist es, beide Begriffe in ihrer Relevanz für das wirtschaftliche Handeln zu beschreiben und durch Beispiele zu belegen. In diesem Zusammenhang fällt häufig auch der Begriff Disruption, auf den ich dann ebenfalls eingehen werde.

Digitalisierung gibt es schon seit den 60er Jahren und sie war immer schon begleitet von den Befürchtungen, dass Arbeitsplätze vernichtet werden. Dies ist bisher allerdings nicht eingetreten. Vielmehr haben sich neue Arbeitsfelder und neue Produkte entwickelt. Es sind neue Unternehmen in der Produktion und vor allem im Dienstleistungsbereich entstanden. Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts war die Digitalisierung so „erfolgreich“, das man begann, zwischen Old Economy und New Economy zu unterscheiden. Traditionelle Unternehmen, vor allem in der Produktion und in der Industrie, galten als veraltet, unrentabel und rückständig. Hipp war alles, was digitale Güter, virtuelle Dienstleistungen und Web Dienste über Internetplattformen anbot. Startups sammelten Unmengen von Geld, weil sie New Economy waren. Der Traum war mit dem Platzen der Internetblase vorbei.

Wenn man sich die Eigenschaften der New Economy genauer anschaut, dann sind das die gleichen, die heute für die Beschreibung der Digitalisierung der Wirtschaft verwendet werden. Allerdings hat die Digitalisierung heute auch die Bereiche erfasst, die zur Jahrhundertwende zur Old Economy gehörten.  Dabei wird gerne das Buzzword Smart verwendet, z.B. Smart Factory oder Smart Production. Oft wird auch der Begriff Industrie 4.0 als Synonym für Digitalisierung benutzt.

Begriffliche Eingrenzung

Der Begriff Digital beschreibt die Darstellung von Informationen in Form von Ziffern. Heute ist damit vor allem die Verwendung der Ziffern 0 und 1 gemeint, binäres System. In Rahmen dieses Beitrags wird mit Digitalisierung die Verwendung eines binären Systems zur Darstellung von Informationen bezeichnet. In nahezu allen Fällen, ich kenne keine Ausnahme, ist der Computer bzw. sind die Computerprogramme die reale Umsetzung der Digitalisierung. Dabei ist der Begriff Computer weit gefasst und reicht vom Großrechner bis zum programmgesteuerten Roboter. Für jeden Menschen sichtbar ist die Digitalisierung insbesondere durch den Einsatz von mobilen Endgeräten und hier vor allem Handy und Tablet.

Ein andere Aspekt der Digitalisierung wird häufig übersehen, nämlich die Tatsache, dass Informationen auch digital übertragen werden. Die Digitalisierung als Prozess hängt im Wesentlichen davon ab, dass wir über immer schnellere digitale Netzwerke verfügen.

Missverständnisse und Ängste

Der Begriff der Digitalisierung steht unter dem Generalverdacht, nur für einen Hype zu stehen, welcher der Beratungsindustrie nutzt oder zum Marketingbegriff verkommt. Als Beispiel hierfür möchte ich folgendes Zitat anführen, dass aus einem Forum zum Thema Finanzindustrie muss lernen, digital zu denken, stammt. Hier heißt es: „Banken sitzen an der Schnittstelle zum Kunden und müssen sich nur endlich angewöhnen, digital zu denken.“ Hier stellt sich die Frage, was das sein soll, digital zu denken? Eigentlich wäre das eine totaler Rückschritt, denn die Leistung des Menschen besteht darin, in Zusammenhängen mit vielen analogen Schattierungen und im Kontext zu denken, eben intelligent und nicht digital.

Das Unverständnis dafür, was Digitalisierung denn nun sein soll und die häufig damit verbundene Vorstellung, dass Roboter und zunehmend auch Bots, also Programme, die Aufgaben nach Vorgabe lösen, Arbeitsplätze vernichten ohne neue zu schaffen, schürt Ängste und Vorbehalte. Diese Skepsis wird von Kritikern verstärkt, die darauf verweisen, dass die Digitalisierung im Gegensatz zu früheren Technologiesprüngen keine neuen Produkte hervorbringt, sondern nur „alte analoge und arbeitsintensive Prozesse ablöst“.

Ich komme deshalb zu den folgenden Thesen.

  1. Der Begriff der Digitalisierung ist je nach Kontext unterschiedlich interpretierbar.
  2. Digitalisierung ist ein emotional besetzter Begriff, was sich in Ängsten und Vorbehalten äußert.
  3. Die Frage, ob die Digitalisierung massenhaft Arbeitsplätze vernichtet, ist abschließend nicht geklärt.
  4. Transformation

Der Begriff Transformation beschreibt eine grundlegende Veränderung. Transformation ist damit ein radikaler Begriff. Nach einer Transformation hat sich der Kontext grundlegend geändert. Es gibt keine gemeinsame Schnittmenge mehr zur Vergangenheit. Transformation impliziert damit den Wechsel von einem diskreten Zustand in den nächsten ohne Übergänge. Transformation ist damit auch das Gegenteil von Kontinuität, einem positiv besetzten Begriff.

Thesen zur digitalen Transformation

Hieraus ergeben sich die nächsten Thesen:

  1. Transformation widerspricht dem Streben nach dem Bewahren von Altbewährtem.
  2. Transformation bricht mit der Kontinuität des wirtschaftlichen Handelns in den Unternehmen.
  3. Digitale Transformation ist nicht gleichzusetzen mit dem Einsatz digitaler Techniken.
  4. Eine andere Sichtweise der Transformation ist die, dass diese Veränderung mit Hilfe digitaler Technologien, was den Einsatz von Hardware, Software und Netzwerktechnologie umfasst, begleitet wird.
  5. Die Basis der Transformation im Wirtschaftsleben sind digitale Technologien.

Sollte diese These korrekt sein, dann ergibt sich zwangsläufig, dass neue Berufsfelder und neue Herausforderungen an die Bildung entstehen.

Cloud Computing

Man kann die digitale Transformation aber auch definieren als grundlegende Veränderung der digitalen Infrastruktur eines Unternehmens. So ist aus dieser Sicht Cloud Computing die reale Umsetzung der digitalen Transformation, weil zum Beispiel die interne Serverinfrastruktur verschwindet. Aber auch dezentrale Arbeitsplätze ergeben sich aus der digitalen Transformation. Digitale Transformation zeigt sich ebenfalls in der zunehmenden Bedeutung von Online Plattformen, die Kunden und Lieferanten in einer Form zusammenführen, die in der „analogen“ Welt nie möglich gewesen wäre.

Technologiefelder

Im Rahmen der Diskussion zur Digitalen Transformation werden nach einer aktuellen Studie durch Bitkom Research von Führungskräften aus 905 Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern folgende Technologiefelder genannt:

  • Cloud Computing, 77 %
  • Big Data Analytics, 72%
  • Internet der Dinge, 46%
  • Virtual und Augmented Reality, 37%
  • 3 D-Druck, 36%
  • Künstliche Intelligenz, 35 %
  • Robotik, 29%

Von den Erstellern der Studie wird mit Sorge hervorgehoben, dass nur 7% der Befragten sich aufgeschlossen gegenüber der Blockchain-Technologie zeigen. Ich teile hier die Meinung, dass genau diese Technologie das größte Potential für Digitale Transformation mit disruptiven Folgen haben kann. Aus diesem Grunde wird es einen Blog zum Thema Blockchain geben.

Der ein oder andere Leser wird in der oben gezeigten Auflistung Bots bzw.  Social Bots vermissen.  Diese werden in der Regel im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz oder AI erwähnt.

Digital Disruption

Mit Digital Disruption wird ein Vorgang bezeichnet, bei dem ein bereits bestehendes Produkt oder Angebot durch eine digitale Innovation abgelöst und vom Markt verdrängt wird. Das prototypische Beispiel finden wir in der Tourismusbranche, in der die Plattform AirBnB Konsumenten die Möglichkeit bietet, von Privatpersonen Wohnungen und Häuser zu mieten. Diese Variante ist oft günstiger als ein Aufenthalt in einem Hotel. Diese Internet-Plattform stellt für viele Hoteliers eine große Konkurrenz dar und bedrängt deren Kerngeschäft. Ein anderes Beispiel hierfür ist Uber, eine Plattform, die Personenbeförderungsdienste anbietet und z.B. in New York und auch anderswo die klassischen Taxis verdrängt hat.

Opfer und Kannibalisierung

Im Kontext der digitalen Disruption findet sich oft der Begriff Opfer und Kannibalisierung. Damit wird ein Szenario beschrieben, bei dem ein „Angreifer“ ein etabliertes Unternehmen vom Markt drängt, ohne dessen Produkt zu adaptieren. Die hier genannten Angreifer stellen in der Regel  Plattformen zur Verfügung, die Kunde und Dienstleister zusammenführen und dabei traditionelle Kundenbindungen zerstören. Bei der Kannibalisierung benutzt das bedrängte Unternehmen die „Waffen“ des Angreifers und integriert sie in das eigene Geschäftsmodell. Diese Waffen sind in den meisten Fällen

  • Plattformbasierte Ökosysteme
  • Big Data Analytics
  • Daten als Ressource
  • Gründung oder Teilhabe an StartUps, also an den Angreifern

Das „Bedrohungspotential“ der Disruption erleben aktuell die Finanz- und Versicherungswirtschaft mit dem Aufkommen der Finance Apps. Das sind mobile Anwendungen, die die  Szenarien Banking ohne Banker und Versicherung ohne Versicherungsagenturen  umsetzen.

Beispiel

Als Beispiel hierfür möchte ich den Klöckner Konzern anführen. Es handelt sich hier um eines der weltweit größten Unternehmen der Stahl- und Metalldistribution, die nicht an einen Produzenten gebunden sind. Es folgt ein Zitat aus der Website des Unternehmens.

„Als Vorreiter der digitalen Transformation in der Stahlindustrie hat sich Klöckner & Co zum Ziel gesetzt, seine Liefer- und Leistungskette durchgängig zu digitalisieren sowie die Einführung einer unabhängigen offenen Industrieplattform voranzutreiben, die zur dominierenden vertikalen Plattform der Stahl- und Metallbranche werden soll.“

Ein Mitglied des Vorstands nannte dies einmal „Selbstkannibalisierung“.

Manche Autoren sprechen auch bei der Digitalen Disruption von einer „echten“ digitalen Transformation. Daraus ergibt sich folgende These:

Digitale Disruption und Digitale Transformation werden häufig synonym verwendet.

Das muss aber nicht immer zutreffen. Aus meiner Sicht ist Disruption ein Verdrängungsprozess während die digitale Transformation das Geschäftsmodell eines Unternehmens radikal ändert.

Abgrenzung zum Change-Management

Im Unterschied zur Transformation beschreibt das Change-Management eine kontinuierliche Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen. Damit ist jede Transformation auch Change-Management. Umgekehrt gilt dies nicht.

Als Berater muss man aber bedenken, dass die hier getroffene Unterscheidung im Unternehmen nicht wahrgenommen wird. Es gibt also unterschiedliche Ausprägungen. Dies führt zur nächsten These:

In der Wahrnehmung der Unternehmen verschwimmen die Grenzen zwischen Change-Management und Transformation.

Fazit

Dieser Beitrag soll den Leser vor allem für folgende Zusammenhänge sensibilisieren.

Durch die Digitalisierung werden analoge Techniken und Prozesse abgelöst.

Durch die Digitale Transformation als radikaler, diskreter Prozess, entstehen neue Geschäftsmodelle und neue Prozesse. Die digitale Transformation ist vor allem eine Antwort auf die heutigen Ansprüche an Flexibilität, Geschwindigkeit und verändertes Kundenverhalten.

Disruption zwingt Unternehmen, sich digital zu transformieren. Im Extremfall führt sie dazu, dass selbst erfolgreiche Unternehmen schnell verschwinden, wenn sie sich nicht anpassen.

Vorschau Disruptive Technologien – Blockchain und 3 D-Druck

Der nächste Blog Disruptive Technologien – Blockchain und 3 D-Druck vermittelt ein fundiertes Wissen zur Blockchain und dem 3 D-Druck. Sie erhalten einen tiefen Einblick in die Blockchain und erfahren, warum diese Technologie die Welt der Transaktionen so revolutionieren wird, wie das Internet die Art und weise, wie wir heute kommunizieren. Sie erfahren, dass der 3 D-Druck, insbesondere die Möglichkeit des Metalldrucks, die  Transformation der industriellen Fertigung einleiten wird. Dies betrifft sowohl die Produktion selbst als auch den Dienstleistungssektor, Stichwort Smart Maintenance.

Weitere Beiträge in dieser Reihe

Herausforderungen der Digitalisierung für KMUs und große Unternehmen

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