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2. Februar 2018
DataOne Blog

Von Untoten, SAP HCM und SAP SuccessFactors

Für einige Verunsicherung hat Anfang 2018 die Meldung von SAP gesorgt, es werde eine neue On-Premise-Lösung für das Personalwesen geben (siehe u.a. Pressemeldung der DSAG). Bedeutet dies eine Abkehr von der Strategie, SAP SuccessFactors als primäre Lösung für den HCM-Bereich zu positionieren? Um es vorwegzunehmen: Aus meiner Sicht „Nein“.


Was bisher geschah

Die bisherige Ankündigung war, dass die traditionelle SAP-Lösung für das Personalwesen (SAP Human Capital Management – HCM) noch bis 2025 als On-Premise-Lösung verfügbar sein wird. Und für die Zeit danach hatte SAP strategisch SAP SuccessFactors positioniert und angekündigt, die eigene Innovationskraft ausschließlich in diese Plattform zu investieren.

Was ist neu?

SAP hat unter dem Arbeitstitel „SAP HCM on-premise for S/4HANA“ eine neue HCM-Lösung angekündigt, die ab 2023 (!) zur Verfügung stehen und Support bis 2030 erhalten soll. Die Lösung soll ausschließlich (!) on-premise auf HANA DB laufen und „ausgewählte Innovationen“ bereitstellen.

SAP hat hierzu folgendes Statement herausgegeben:

More and more organizations are moving their HCM solutions to the cloud and we continue to focus on SuccessFactors as our digital HCM platform in the cloud. Yet some of our customers desire to keep HCM on-premise […] We see this option as a bridge to give additional time to those customers who are not ready to fully move to SuccessFactors.

Eine Migration aus dem aktuellen SAP HCM auf die neue Lösung soll „upgrade-like“ möglich sein.

Was soll drin sein?

Der funktionale Umfang der neuen Lösung soll sich an den Fokusbereichen SAP ERP HCM orientieren und auf folgende Bereiche erstrecken

  • Personnel Administration
  • Organization Management
  • Personnel Development
  • Payroll
  • Time & Attendance
  • Benefits & Compensation

Ausdrücklich nicht abgedeckt werden sollen dagegen die Bereiche

  • SAP Learning Solution (LSO)
  • SAP E-Recruiting
  • Travel Management (FI-TV)

Was bedeutet das für SAP SuccessFactors?

SAP hat aus meiner Sicht überreagiert und zu sehr auf einige (große, einflussreiche) Bestandskunden gehört. Einige davon haben solch komplexe Landschaften und Abhängigkeiten, dass ein Weg nach SAP SuccessFactors in die Cloud bis 2020/2025 unmöglich erscheint. Dass es heute noch generelle Bedenken gegen den Schritt in die Cloud gibt, schließe ich aus – die einzig entscheidende Frage scheint die Timeline dieser Kunden zu sein.

Warum hat man dann nicht einfach entschieden, das aktuelle SAP HCM länger als bis 2025 zu supporten? Meine Interpretation ist der Wille, im Datenbank-Geschäft die Adoption von S/4HANA (und damit HANA DB anstelle von Microsoft SQL, DB2, Oracle & Co.) weiter zu forcieren, um so den eigenen Anteil am IT-Budget der Kunden zu erhöhen. In diese Argumentation passt es auch, dass man die Lösung ausschließlich on-premise (und somit nach meiner Lesart nicht als Teil von S/4HANA Public Cloud) anbieten wolle.

Die ausgegrenzten Funktionalitäten (Recruiting, Learning Management) stützen das „Talent-Hybrid“-Modell, nachdem die Personalstammdaten sowie die Lohnabrechnung im lokalen Rechenzentrum verarbeitet werden, die innovativeren „Talent Management“-Prozesse dagegen als erstes in die Cloud (und damit zu SAP SuccessFactors) wandern.

Als Kunde egal welcher Größe, der heute in ein Projekt im Kontext Bewerbermanagement oder Lernverwaltung investieren möchte, ist somit auch nach dieser Ankündigung ausschließlich der Einstieg in SAP SuccesFactors zu empfehlen – und zwar völlig unabhängig davon, ob er heute ein SAP HCM On-Premise einsetzt oder mit SAP SuccessFactors erstmalig auf eine Lösung von SAP setzt.

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