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14. März 2018
DataOne Blog

Disruptive Technologien – Blockchain und 3D-Druck

Welche Auswirkungen werden Blockchain und 3D-Druck in Zukunft auf das wirtschaftliche Handeln haben? Die Blockchain wird die Art und Weise wie wir Transaktionen durchführen in entscheidender Weise ändern. Der 3D-Druck revolutioniert die industrielle Produktion.


 

Dieser Beitrag vertieft die in  Deep Dive – Digitalisierung, Transformation und Disruption besprochene disruptive Kraft der Digitalisierung.

Blockchain

Wenn man über Digitalisierung und Transformation schreibt, kommt man aktuell nicht an dem Thema Blockchain vorbei. In diesem Kapitel erfahren Sie, was eine Blockchain ist, und welche Bedeutung dieser Technologie meiner Meinung nach in Zukunft zukommen wird. Viele kennen den Begriff Blockchain nicht, haben aber schon von der Kryptowährung Bitcoins gehört. In den folgenden Kapiteln werden Sie unter anderem erfahren, dass die Blockchain die technische Grundlage des Bitcoin und anderer digitaler Währungen ist.

Die Technik

Das wichtigste zuerst:

Blockchain ist eine zuverlässige und seit acht Jahren erprobte Technologie.

Die Grundlagen dieser Technik stammen aus dem Jahr 1991. Die Technologie ist also „industrietauglich“ und keine Spielerei technikverliebter Nerds.

Aus technischer Sicht ist die Blockchain eine in einem öffentlichen oder privatem Computernetzwerk verteilte Datenbank. Die Daten einer Blockchain bestehen, wie der Namen schon sagt, aus Datenblöcken, die gleichzeitig auf viele Computer des Netzwerks verteilt werden. Das heißt alle Rechner im Netzwerk haben eine identische Kopie der Blockchain.
Die folgende Grafik zeigt das Prinzip der Blockchain, und es sollte deutlich werden, dass in einer Blockchain jeder Block seinen Vorgänger und seinen Nachfolger kennt. Ausnahme sind der letzte Block und der erste Block, der als Genesis Block bezeichnet wird.

Das Prinzip einer Blockchain

Die Blockchain als doppelt verkettete Liste
Die Blockchain als doppelt verkettete Liste

Durch eine entsprechende Verschlüsselung und durch die gleichzeitige Verteilung einer Blockchain wird sichergestellt, dass die einmal erfassten Daten nicht manipuliert oder verändert werden können. Jeder Block wird dazu mit einer Prüfsumme, dem sogenannten Hash, und mit einem Zeitstempel versehen.

Wie aber kann gewährleistet werden, dass nicht die gesamte Blockchain manipuliert wird, indem man sie zum Beispiel einfach ersetzt. Hier kommt die verteilte Datenbank ins Spiel. Die folgende Grafik zeigt, dass man in Bruchteilen von Sekunden alle Blockchains austauschen müsste, damit niemand der Beteiligten etwas davon erfährt.

Das Prinzip einer verteilten Datenbank mit Blockchain

Die Blockchain als fälschungssichere verteilte Datenbank
Die Blockchain als fälschungssichere verteilte Datenbank

Auch der folgende Fälschungsversuch würde scheitern. An die existierende Blockchain wird ein weiterer gültiger Block angehängt und dann der Vorgängerblock manipuliert, um sich im Nachhinein einen Vorteil zu verschaffen. Das wäre in etwa vergleichbar mit der Fälschung eines Schecks, bei dem an die Summe noch eine weitere Ziffer 0 angehängt wird.
Bevor jedoch die manipulierte Blockchain akzeptiert wird, werden für alle bereits existierenden Blöcke die Prüfsummen verglichen. Dabei würde sich die Prüfsumme des dritten manipulierten Blocks von der aller anderen Blockchains unterscheiden. Jeder Versuch eine Blockchain zu verfälschen oder andersartig zu manipulieren scheitert also daran, dass die gefälschte Blockchain nicht in ihrer Historie mit den anderen Blockchains im Netz übereinstimmt. Die Veränderung würde abgelehnt werden.

Die Blockchain garantiert damit eine Vertrauensstellung über die Echtheit der Information zwischen allen Netzteilnehmern. Sie ist damit im Prinzip für alle Geschäftsbereiche geeignet wie die folgende Aufzählung zeigt:

  • Finanztransaktionen
  • Verträge aller Art
    • Testament
    • Kataster
    • Kaufvertrag
  • Freigabeprozesse
  • Internet of Things, IoT
  • Historie of Things
  • Öffentliche Verwaltung
  • Identitätsnachweis

Der Inhalt einer Blockchain – Transaktionen

Transaktionen finden in unserem Leben permanent statt. Sie bestehen aus Aufträgen, Zahlungen, Buchungen und Vertrauensstellungen. In der analogen Welt sind das sehr komplexe Vorgänge, weil alle Beteiligten ihre eigene „Buchhaltung“ haben und auch eine „eigene Version was wahr oder falsch ist“. Eine für alle transparente und vollständige Übersicht zu einer Transaktion und ihrem Status ist damit schwer zu erreichen. Dies gilt insbesondere für den Bereich Vertrauen und Validität. Eine Blockchain bzw. Anwendungen auf der Basis von Blockchain bieten hier Abhilfe.

  • Eine Transaktion mit Hilfe einer Blockchain ist immer gültig und kann nicht verfälscht werden.
  • Alle Beteiligten müssen einer Transaktion zustimmen, bevor sie dem Netzwerk hinzugefügt werden kann.
  • Transaktionen innerhalb einer Blockchain können nicht rückgängig gemacht werden.
  • Die Blockchain ist schnell und effizient. Sie minimiert Medienbrüche, da der Einsatz von „Papierprozessen“ reduziert werden kann.

Man sollte bei dieser Aufzählung beim letzten Punkt beachten, dass dieser für eine private Blockchain zutrifft, bei der die Anzahl der Peers, siehe folgendes Kapitel, beschränkt ist und kontrolliert wird.
Daraus ergibt sich die nächste These:

„Die Blockchain Technologie wird die Digitalisierung in der Welt der Transaktionen vorantreiben, wenn nicht gar revolutionieren.“

Gerade diese These führt zu Worst-Case Szenarien, die von einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen ausgehen, weil zukünftig viele Transaktionen, z.B. im Finanzsektor, ohne menschlichen Eingriff auskommen können.

Die folgende Grafik zeigt das Prinzip einer Transaktion innerhalb einer Blockchain am Beispiel einer Auktion.

Der Prozess einer Auktion mit Hilfe einer Blockchain
Der Prozess einer Auktion mit Hilfe einer Blockchain

Zu Beginn der Auktion wird ein Genesis Block angelegt. Für jedes Gebot wird ein neuer Block angelegt in dem das Gebot, der Bietende und andere relevante Daten abgelegt sind. Die Auktion endet mit dem letzten Gebot und der abschließenden Bezahlung, die z.B. bei einem Smart Contract, siehe Kapitel Smart Contract, automatisch erfolgt.

Lesern, die noch tiefer in die Welt der Transaktionen auf der Basis einer Blockchain einsteigen wollen, empfehle ich diesen Blog von IBM.

Peers – No Man in the Middle

Ein weiteres wesentliches Merkmal der Blockchain Technologie ist das Konzept der Peers. Das bedeutet, dass es keine zentrale Steuerungsstelle gibt, alle Rechner im Netzwerk sind gleich. Damit sind auch alle Beteiligten gleich, eben Peers. Transaktionen können direkt zwischen den Peers ohne Vermittlung eines Dritten stattfinden. Als Beispiel hierfür wird häufig der Hauskauf aufgeführt. Bei einer solchen Transaktion wird die Glaubwürdigkeit der Eigentumsübergabe durch einen Notar gewährleistet. Das kann bei einer Blockchain Transaktion wegfallen. Ein anderes Beispiel sind Finanztransaktionen ohne Banken.

Mining oder Proof-of-Work

Im Zusammenhang mit der öffentlichen Diskussion um den Bitcoin fällt immer wieder der Begriff Mining. Ich möchte im Folgenden kurz darauf eingehen, warum Mining so enorm hohe Rechnerleistungen erfordert und  Unmengen von Energie verbraucht. Der Versuch das Mining mit all seinen Einzelheiten technisch korrekt zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Deshalb beschränke ich mich im Folgenden auf das Prinzipielle.

Vereinfacht muss man sich das Bitcoin Mining so vorstellen.

Jeder an einer Blockchain Beteiligte kann an die Blockchain einen weiteren Block anhängen. Dazu muss er diesen Block auf einem Rechner oder einem ganzen Cluster von Rechner erzeugen. Wäre dies nun ohne großen Aufwand möglich, würden zu viele Blöcke, in diesem Fall Bitcoins, erzeugt werden. Wir hätten eine „Inflation“. Der Bitcoin hätte für den Besitzer keinen Wert.

Aus diesem Grunde wird das Mining eines Blocks so erschwert, dass es im Laufe der Zeit immer schwieriger und damit aufwendiger wird. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass alle Miner um die Erzeugung des neuen Blocks konkurrieren, Proof-of-Work. Wer als Erster den neuen Block erzeugt, erhält seine Vergütung. Jetzt müssen alle Miner nochmal von vorne beginnen, um den nächsten Block zu generieren. Als Letztes muss noch erwähnt werden, dass die Zahl der zu „schürfenden“ Bitcoins auf 21 Millionen begrenzt ist und dass sich die Vergütung nach 210000 Blöcken um die Hälfte vermindert. Es ist also immer aufwendiger einen Bitcoin zu erzeugen. Dabei bekommt der Miner für den Aufwand immer weniger.

Im Prinzip werden also die Miner dafür bezahlt, dass sie die Blockchain am Leben erhalten.

Warum hat eine Blockchain Plattform eine eigene Währung?

Die Blockchain ist eine Transaktionstechnik, die einen gewissen Aufwand erfordert. Dieser Aufwand muss bezahlt werden. Die Bezahlung erfolgt über „digitale Coins“. Aus diesem Grunde besitzt jede Blockchain ihre eigene Währung oder benutzt eine existierende als Zahlungsmittel. Da diese Coins zur Sicherheit verschlüsselt sind, werden sie auch als  Kryptowährung bezeichnet.

Die Verwendung einer digitalen Währung zur Bezahlung einer Transaktion ist aber nicht zwingend. Die Blockchain Implementierung von Hyperledger Fabric ist ein Beispiel dafür. Hier werden die Transaktionen mit dem Provider, in diesem Fall IBM, abgerechnet. Das entspricht in etwa der Bezahlung von Cloud-Diensten. Eine digitale Währung und damit das „bezahlte“ Mining ist nicht notwendig.

Blockchain als Smart Contract

Smart Contracts sind Systeme, die automatisch nach Erfüllung einer spezifischen vordefinierten Regel sogenannte digitale Assets, z.B. bitcoins, einem Vertragspartner zuweisen. Eine andere Bezeichnung für Smart Contracts ist “Decentralized Application“, DApp, eine Bezeichnung, die Microsoft verwendet.

IBM bezeichnet Smart Contracts als ledger solutions.

Im Zusammenhang mit der Programmierung von Smart Contracts wird häufig auch der Begriff Chaincode verwendet.

Wie bei jeder Technologie gibt es für die oben genannten Assets auch technologiebezogene Begriffe. Im Folgenden habe ich einige aufgeführt:

  • Colored Coins, das sind vom Benutzer erzeugte digitale Währungen
  • Smart Properties, das sind physikalische Werte, z.B. eine Immobilie
  • Namecoin, das kann z.B. ein geistiges Eigentum sein
  • Kryptowährungen, z.B. Bitcoin, Ether und andere.

An dieser Stelle möchte ich einen ganz wichtigen Aspekt hervorheben.

In einer Blockchain, die ausschließlich zur Erzeugung von digitalen Währungen genutzt wird, kann keine Geschäftslogik ausgeführt werden. Dies geht nur bei einer Blockchain, die Smart Contracts ermöglicht.  

Beispiele für Smart Contracts

Bei der Verschiffung eines Gutes wird festgelegt, dass die Kosten dafür abhängig gemacht werden von der Ankunft. Je später die Ankunft umso höher ist der Preis. Die Bezahlung erfolgt im Rahmen des Smart Contracts automatisch entsprechend der vereinbarten Regeln.

Long-term Smart Contracts sind Implementierungen, in denen die digitalen Güter, Satzungen, Gesellschaftsverträge oder Statuten ganzer Organisationen enthalten sind. Aktuell dürfte das aber noch Zukunftsmusik sein.

Das australische Unternehmen AgriDigital bietet Bauern die Möglichkeit, ihr Getreide bei automatischer Bezahlung an Großhändler zu verkaufen. Sobald die Lieferung angekommen ist, wird durch die Blockchain, dem Smart Contract, die Zahlung ausgelöst.

Weitere Anwendungsfelder sind die Logistik auf der Basis von Container oder aber der heutige Bedarf von Lebensmittelkunden, die Herkunft der Produkte lückenlos verfolgen zu können. Dies wird auch als History of Things bezeichnet.

Ich glaube es bedarf keiner großen Vorstellungskraft, um zu erkennen wie viel Potential in dieser Technik steckt, um analoge Prozesse, den „Papierkram“, einzusparen.

Ethereum – eine Plattform zur Entwicklung von Smart Contracts

Eine der bekanntesten Plattformen für Smart Contracts ist Ethereum,  eine Plattform für Smart Contracts und dezentralisierte Anwendungen. Die folgende Seite beschreibt Grundlagen der Programmierung einer Blockchain.

Öffentliche und private Blockchain

An einer öffentlichen Blockchain kann jeder teilnehmen. So kann zum Beispiel jeder Bitcoins schürfen indem er der Blockchain beitritt. Der entscheidende Unterschied zu einer privaten Blockchain besteht darin, dass die Teilnehmer anonym sind und nur durch eine „Adresse“ identifiziert werden.

In einer privaten Blockchain ist die Anzahl der Peers überschaubar und wird kontrolliert. Typischerweise handelt es sich hier um einen Verbund von Unternehmen, wie z.B. Banken, die mit Hilfe von Blockchains Kredite vergeben oder eigene virtuelle Währungen generieren. Auf dem Markt gibt es nach Aussage des Handelsblattes mittlerweile viele Anbieter, aber noch eine geringe Nachfrage. Private Blockchains werden mehr und mehr auch Thema für große Beratungshäuser wie Deloitte oder Accenture.
Smart Contract sind nur in einer privaten Blockchain implementierbar, weil für eine solche Blockchain auch Businessanwendungen geschrieben werden können. Die Teilnehmer können hier nicht anonym sein.

Transformation und Disruption durch Blockchain

Die Blockchain hat das Potential sowohl für die Transformation von Geschäftsmodellen als auch für die Zerstörung von Geschäftsmodellen, Disruption. Das gleiche gilt für die Transformation von analogen zu digitalen Prozessen. Banking ohne Banker oder Versicherung ohne Versicherer sind hier Schlagworte, die durchaus einen realistischen Hintergrund haben. Hier möchte ich auf den folgenden Blogeintrag verweisen.

Das bisher gesagt lässt sich sehr gut in diesem Zitat von Ginni Rometty (CEO und Präsidentin von IBM) zusammenfassen:

“What the internet did for communications, blockchain will do for trusted transactions.”

Unter Berücksichtigung des bisher Gesagten sind zwei Entwicklungen denkbar.

  1. Blockchains werden sich etablieren und eine neue Art von Software werden, die in vielen Bereichen effektiver und kostengünstiger ist.
  2. Es bildet sich ein System untereinander vernetzter Blockchains, welches Branchen umkrempelt und neue Geschäftsmodelle hervorbringt. Hier findet sich mittlerweile der Begriff des „Internet der Werte“.

Wie die folgenden Beispiele zeigen, sind die Möglichkeiten der Blockchain vielfältig und es werden mit großer Wahrscheinlichkeit weitere Einsatzgebiete hinzukommen. Es gibt unterschiedliche Prognosen darüber, wann sich die Technologie durchsetzen wird. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass dies unvorstellbar schnell geschehen kann.

Finanztransaktion
In der Finanzbranche steht die Blockchain Technologie noch am Anfang. Banken, Unternehmen und die Börse zeigen aber ein großes Interesse und erste Implementierungen sind schon umgesetzt. So hat die Daimler AG und die Landesbank Baden-Württemberg erst vor kurzem die Blockchain bei einer Schuldschein-Transaktion eingesetzt. Auch Aktien- und Anleihegeschäfte sollen zukünftig direkt zwischen Käufer und Verkäufer abgewickelt werden.
Als wesentlicher Vorteil für alle Beteiligten werden Sicherheit und Geschwindigkeit genannt.

Qualitätsmanagement
Im Rahmen des Qualitätsmanagements spielen Freigabeprozesse eine bedeutende Rolle. Dies gilt umso mehr, je sensibler der Produktionsprozess oder das Produkt ist. Als Beispiel soll hier die Pharmaindustrie aufgeführt werden, die für die Zulassung ihrer Produkte besonders strenge Sicherheitsanforderungen erfüllen muss. Häufig wird hier für eine Freigabe eine „digitale Unterschrift“ gefordert, um die Gültigkeit eines Dokumentes und die Identität des Freigebers zu garantieren. Mit Hilfe einer Blockchain kann beides umgesetzt werden.

Internet der Dinge
Industrie 4.0 und Internet der Dinge, IoT – Internet of Things, werden oft synonym verwendet. Das ist nicht ganz richtig, da es auch autonome Produktionstechniken gibt, die nicht auf den Austausch von Informationen mit Hilfe eines Netzwerkes angewiesen sind. Das ist anders in einem Netzwerk, in dem „Dinge“ wie Steuereinheiten, Sensoren etc. Informationen austauschen, die aus der „realen Welt“ kommen. Eine typische Implementierung ist das Smart Home mit dem berühmten Kühlschrank, der selbstständig Milch bestellt, oder die Heizung, die sich selbst regelt.
Die Blockchain kann hier als „Identity Provider“ dienen und dabei die Identität des Senders der ausgetauschten Informationen garantieren.

Nahrungsmittelindustrie
Mit Hilfe einer Blockchain können Kunden nachvollziehen, woher ihre Ware kommt. Dazu hat der US-Handelsriese Walmart einen großangelegten Versuch gestartet.

Reiseveranstalter
Der Reiseveranstalter TUI setzt bei der Blockchain nicht auf die Nutzung einer digitalen Währung, sondern möchte damit Hotelkontigente weltweit schnell und effektiv verwalten, um auf Veränderungen von Angebot und Nachfrage schnell reagieren zu können.

Hinkt Europa und damit auch Deutschland in der Blockchain-Technologie hinterher?

In einer Studie zur KI-Forschung in China aus dem Jahr 2017 beschreibt der Autor Sebastian Heilmann, Professor der Politik und Wirtschaft Chinas an der Uni Trier, die Forschung chinesischer Wissenschaftler zur Künstlichen Intelligenz, KI. Er sieht hier eine enge Verzahnung zwischen KI und Blockchain. Folgendes Zitat ist bemerkenswert.

Und während in Europa die Blockchain-Technologie als Spielfeld neuer Kryptowährungen wahrgenommen wird, bilden chinesische Universitäten tausende von Blockchain-Informatikern aus, deren Arbeit sich auf praktische Anwendungen etwa in Zollverwaltung sowie Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit richtet.

Digitalisierung in der Industrie, der 3D-Druck

Die Digitalisierung der industriellen Produktion hat das Buzzword  Industrie 4.0 hervorgebracht. Dieser Begriff an sich ist schon disruptiv, weil es nie eine Industrie 1.0, 2.0 usw. gab. Damit soll verdeutlicht werden, dass die Produktion der Zukunft eine Transformation darstellt. In der Regel setzt eine Implementierung der Industrie 4.0 eine Änderung der Geschäftsprozesse und oft auch des Geschäftsmodells voraus. In diesem Zusammenhang darf natürlich nicht der Begriff Arbeit 4.0 fehlen.

Neue Begriffe generieren häufig weitere neue Begriffe. Im Zusammenhang mit der Industrie 4.0 sind das Begriffe wie

  • Smarter Company
  • Working Smarter
  • Smart Mobility
  • Smart Service
  • Smart Data
  • Smarte Infrastruktur
  • Man-Machine-Interface und viele mehr.

Diese Inflation des Begriffes smart halte ich für höchst problematisch. Er impliziert, dass unser aktueller Wohlstand in der Vergangenheit auf unintelligenten Techniken und besonders auch auf „blöden“ Arbeitsprozessen basiert. Meine These lautet:

 „Wir arbeiten nur anders, aber nicht smarter.“

Horst Wildemann, Professor an der TU München,  spricht in diesem Zusammenhang von einer „Revolution in der Fabrik“.  Ähnlich wie die Blockchain in der Welt der Transaktionen steht auch hier eine disruptive Technik im Mittelpunkt, nämlich der 3D-Druck. Konnten durch diese Technik anfangs nur Kunststoffteile gedruckt werden, so steht jetzt der 3D-Druck aus Metall vor der Produktionsreife. Damit hat diese Technik das Potential, einen wesentlichen Teil der deutschen Industrie, nämlich die Metallverarbeitung, zu revolutionieren. Wildemann beschreibt einige Vorteile wie

  • Herstellung neuer, komplexer Teile
  • Kostengünstige Produktion von Einzelstücken
  • Energieersparnis
  • Erzeugen bionischer Teile
  • Günstigere Kraftwerke
  • Leichtere Flugzeuge

Daraus ergibt sich eine weitere These.

 „Der 3D-Metalldruck wird die Metallverarbeitung revolutionieren.“

An dieser Stelle sollte natürlich nicht verschwiegen werden, dass der 3D-Druck teuer ist. Aber die nachfolgenden Beispiele zeigen, dass sich der Einsatz dieser Technik dennoch lohnt. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass mit dem massenhaften Einsatz in der Zukunft Kosten pro Drucker und pro Teil sinken werden.

Beispiele

Kraftwerke
Durch den 3D-Druck wird das Betreiben von Kraftwerken günstiger. So benötigte Siemens in der Vergangenheit für die Reparatur von verschließenden Brennern 44 Wochen. Heute sind das nur noch vier Wochen. Die Zeitersparnis resultiert aus der Tatsache, dass Einzelteile nicht mehr hergestellt werden müssen. Stattdessen werden die Brennköpfe abgetragen und per 3D-Druck wieder neu aufgetragen. Es ist sogar möglich, alte Brenner umzurüsten.
Hier haben wir eine typische Win-Win-Situation. Die Kraftwerksbetreiber können Anlagen schneller wieder in Betrieb nehmen und Siemens verschafft sich Wettbewerbsvorteile.
Dieses Beispiel zeigt, welche zukünftigen Szenarien im Maschinenbau denkbar sind.

Leichtere Flugzeuge und Automobile
Im Flugzeug- und Automobilbau kommt ein weiterer Vorteil der durch 3D-Drucker ermöglichten additiven Fertigung zum Tragen. Es wird mit dieser Technik möglich, Komponenten, die aus mehreren Einzelteilen bestehen, als eine Komponente zu produzieren. Diese Teile sind leichter und halten auch länger. Wildemann beschreibt dies am Beispiel des Airbus A-380, bei dem ein Gurtschloss, das 45 Prozent leichter ist, über die Lebensdauer der Maschine Kerosin im Wert von 2 Millionen Euro einspart.
Wildermann zitiert einige Berechnungen, die den Wert der Ersparnis pro Kilogramm für verschiedene Branchen zeigt.

  • In der Formel 1 sind das 120000 Dollar
  • 2500 Dollar in der Raumfahrt
  • 1200 bis 13000 Dollar in Flugzeugen
  • Im Autobau zwischen 20 und 600 Dollar.

Cloud Producing
Der amerikanische Land – und Baumaschinenhersteller Catterpillar und John Deere planen ein Produktionskonzept, das sie Cloud-Producing nennen. Gemeint ist damit eine in der Cloud realisierte Datenbank, über die berechtigte Benutzer weltweit bei Bedarf Daten zu einer Komponente, z.B. einem Ersatzteil, herunterladen können. Diese werden dann vor Ort produziert. Damit entfallen Lager- und Transportkosten sowie eventuell Zölle. Außerdem sind die Ersatzteile schneller verfügbar. Zudem ergeben sich neue Geschäftsmodelle für Dritte, die eine entsprechende Infrastruktur aufbauen, z. B. eine Blockchain für den sicheren Austausch der Daten für eine Komponente.

Auswirkungen auf die Bildung
Laut Wildermann kann der 3D-Metalldruck auch zu volkswirtschaftlichen Veränderungen führen, weil die Auslagerung in Billiglohnländern keinen Sinn mehr macht. Die Produktion kann wieder zurückgeholt werden. Allerdings setzt diese Art der Produktion eine gute Ausbildung voraus. Hier zeigt sich, dass die digitale Transformation bzw. die Digitalisierung neue Anforderungen an die berufliche Ausbildung stellt. Damit ist nicht notwendigerweise gemeint, dass jeder digitale Arbeitsplatz auch Programmierkenntnisse benötigt. Bei der additiven Fertigung ist vielmehr die Fähigkeit gefragt, schnell auf neue Herausforderungen reagieren zu können, da theoretisch an jeder „Werkbank“ ganz unterschiedliche Werkstücke produziert werden können.
Die führt zur letzten These in diesem Beitrag.

„Der digitale Arbeitsplatz setzt nicht notwendigerweise auch Programmierkenntnisse voraus, sondern vor allem Lernfähigkeit.“

Disruption durch Veränderung der Wertschöpfungskette

Der 3D-Druck verändert langfristig die Wertschöpfungskette mit disruptiven Auswirkungen für alle Beteiligten.

Alte und neue Wertschöpfungskette durch 3 D-Druck
Alte und neue Wertschöpfungskette durch 3 D-Druck

An der gezeigten Grafik kann man erkennen, dass vor allem Vertrieb und Handel betroffen sein werden. Die bisherigen Produktionsprozesse der Industrie müssen durch den 3D-Druck transformiert werden. Das betrifft sowohl die Ausbildung der Mitarbeiter als auch die Art der Fertigung.

In der obigen Grafik soll angedeutet werden, dass in vielen Bereichen zukünftig  die eigentliche Produktion beim Kunden erfolgt. In der traditionellen Wertschöpfungskette wird das Produkt in der Fabrik erzeugt. An diese Stelle tritt das Design mit Hilfe von Software und die Entwicklung von 3D-Druckern.

Vorschau: Herausforderungen der Digitalisierung für KMUs und große Unternehmen

Der nächste Blog setzt sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung für KMUs und große Unternehmen auseinander. Ich gehe der Frage nach, welche Auswirkung die Digitalisierung für die Ausbildung hat, wie sich das Management ändern wird und warum Geschäftsmodelle auch dann schon überdacht werden müssen, wenn sie noch erfolgreich sind.

Zur Blogserie digitale Transformation

  1. Teil: Deep Dive – Digitalisierung, Transformation und Disruption: Ein Wegweiser in die Zukunft

 

 

 

Ein Gedanke zu „Disruptive Technologien – Blockchain und 3D-Druck“

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