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Zieht Home Office mit? Leben in Finnland, arbeiten in Deutschland

Zieht Home Office mit? Leben in Finnland, arbeiten in Deutschland

Es war nur ein vorübergehender Umzug – vier Monate Finnland. Im Voraus stand fest, wenn mein Job nicht mitzieht, wird es dieses Auslandssemester nicht geben. Die Einigung hätte unkomplizierter nicht sein können: „Es spräche nichts dagegen, wenn die Arbeit einfach nahtlos weiterliefe.“  

 

Wie es nun ablief? Jeden Montag konnte ich an unserem wöchentlichen Kickoff virtuell über die MS Teams Videokonferenz teilnehmen. Eine Stunde Zeitverschiebung war kein erwähnenswertes Hindernis. Wie üblich, haben wir einander über abgeschlossene Themen und anstehende Aufgaben informiert und ich habe mich als vollwertige Meetingteilnehmerin wahrnehmen dürfen. Über die Funktion des geteilten Bildschirms konnte ich den Display-Inhalten des Meetings folgen. Mit Kanban haben wir für unser Team ein System gefunden, das Transparenz und Gesetzmäßigkeit schafft. Aufgaben sind in überschaubare Teilstücke aufgegliedert und werden Personen zugeordnet. Im Laufe der Woche schleusen sie sich durch die verschiedenen Phasen des Kanban Boards und landen nach der Freigabe in der Spalte Closed. Azure macht’s möglich.

 

 

 

Technologisch war ich also in keinster Weise eingeschränkt – die 10,6 Zoll meines Microsoft Surface Geräts waren vielleicht kein Luxus großflächiger Übersichtlichkeit, aber vollkommen ausreichend. Ich konnte auf unser System, auf alle Apps und Dateien zugreifen, mit Kollegen an Online-Dokumenten arbeiten und jeden Mitarbeiter bei Bedarf kontaktieren. Sicherlich machten auch unsere autonome Teamkultur und agile Aufgabenorganisation entscheidende Faktoren aus.
In diesen vier Monaten hat sich mein Team verdreifacht. Die neuen Mitglieder kannte ich zwar virtuell, realisierte jedoch nach meiner Rückkehr, dass sich Personen online von ihrer Wirkung offline unterscheiden. Das ist genau der Punkt: so gewinnbringend IT heutzutage ist, sie ist nicht gleichzusetzen mit persönlichen Gesprächen. Als digitale Person im Bildschirm grätscht man nicht einfach in eine Diskussion rein oder lässt einen lockeren Witz fallen. Man bündelt seine Informationen möglichst pragmatisch und verzichtet auf weniger dringende Rückfragen. Ist es die marginale Verzögerung der Übertragung oder die gegen einen Lautstärkepegel nicht ankommende digitale Stimme?

Genauso sollten spontan im Büro fallengelassene Randinformationen über Kundentermine, Kundenfeedback oder Vergleichbares nicht unterbewertet werden. Das sind Details, die trivial erscheinen mögen, jedoch die Auffassung einer Tätigkeit schärfen und Aufgaben greifbarer machen.
Technologie, wenn gekoppelt an moderne Arbeitsweisen und eine zeitgemäße Einstellung des Arbeitgebers, eröffnet nie dagewesene Möglichkeiten – arbeiten, gleichzeitig die Welt sehen und viel Neues lernen. Aber bei langfristiger geographischer Distanz werden Tätigkeiten zunehmend abstrakt und das Teamgefühl baut ab. Home Office zieht vielleicht mit, aber der Bezugsrahmen bleibt größtenteils vor Ort – und deshalb plädiere ich für die gesunde Mischung.

 

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